Dem großen Benoit Mandelbrot, dem Pionier der fraktalen Geometrie, verdanken wir die schöne Überlegung, dass die Küstenlinie Englands unendlich lang sein müsse. Er geht davon aus, dass man, wenn man die Küstenlinie mit einem Maßstab einer bestimmten Länge ausmisst, ein Messergebnis erhalten wird.

Abhängig von der Größe des Maßstabs wird dieses Ergebnis aber nur hinreichend genau sein - verkleinert man den Maßstab, wird dieser die wahre Form der Küstenlinie mit ihren vielen Ausbuchtungen und Unregelmäßigkeiten viel besser abbilden und eine Küstenlänge ergeben, die ein deutliches Stück größer ist als beim ersten Versuch.

Je kleiner der Maßstab wird, desto länger wird die Länge der Küstenlinie, da immer feinere Strukturen berücksichtigt werden können. Geht der Maßstab gegen unendlich (klein), dann muss folglich die Küstenlinie unendlich lang werden. Die fraktale Geometrie der Küstenlinie führt dazu, dass einer Fläche von konstanter Größe ein Umriss zugeordnet ist, die mit steigender Messgenauigkeit gegen Unendlich strebt.

Soweit die Theorie - hier am Land's End ist England jedenfalls zu Ende. Steil fallen die grauen Klippen ins Meer ab, die See tost zu ihren Füßen und trägt Stück für Stück den Fels ab. Möven segeln in dem scharfen Wind an den Wänden entlang, ihre Schreie gehen im Branden der Wellen unter. Auf der anderen Seite des Meeres ist Amerika.
We owe the great Benoit Mandelbrot, the pioneer of fractal geometry, for the nice thought that the coastline of England must be infinite. He assumes that if the coastline is measured with a ruler of a certain length we will get a result.

Depending on the size of the ruler this result will be only sufficiently exact. If the scale is reduced the true form of the coastline with its many indentations and irregularities will be measured more exactly and therefore its length will be noticeably larger.

The more reduced the scale the longer will be the coastal length because increasingly smaller structures will be considered. If the scale goes toward infinity (small) the length of the coastline must go towards infinity (large) also. The fractal geometry of the coastline results that a surface of a given size has an outline that gets larger with increasing measurement precision.

That's the theory - here at Land's End England is at it's end. The cliffs are dropping steeply to the sea, the waves are roaring at their feet and taking away the rock bit by bit. Seagulls are sailing in the harsh winds, their cries are lost in the surge of the waves. On the other side of the sea is America.
 
 
 
 
Was in Deutschland einfach eine Strecke zwischen zwei wichtigen Orten wäre, die man am Besten durch eine Autobahn verbindet, wird in England in beiden Richtungen zu einer Art Versuchsstrecke für skurrile Rekorde. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß, non-stop oder nackt, mit dem Oldtimer oder dem Muldenkipper - alles, was sich irgendwie bewegen kann, hat die Strecke vermutlich bereits hinter sich gebracht.
In Germany this would be a simple distance between two important places which should be at best connected by a motorway. In England this is a bidirectional test bed for strange records. By bike or on foot, non-stop or naked, with an oldtimer or a dump truck - everything that can be moved may have gotten over the distance already.
 
 
Der Begriff "End-to-End" ist in England offenbar ein Stehender - er bezeichnet die Durchquerung der gesamten Britischen Insel. Genauer bezeichnet der die 874 Meilen lange Strecke zwischen Land's End, dem Ende der Halbinsel Penwidth in Cornwall und dem (nicht ganz) nördlichsten Punkt der Insel, John o'Groats in Schottland.
The term "End-to-End" is an established phrase in England - it indicates the traversal of the whole of the Isle of Britain. Exactly it designates the 874 miles distance between Land's End, the extreme westward point of the Penwith peninsula in Cornwall and the traditionally acknowledged (though not factually accurate) extreme northern point of the Isle of Britain, John o' Groats in Scotland.
 
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Es ist wiederum ein gängiges Vorurteil, dass alle Engländer in stetiger Gefahr leben, von einem Spleen infiziert zu werden (ein schönes Wortspiel, denn "Spleen" bedeutet im Englischen die Milz). Das Minack Theater ist so ein Spleen - erdacht, gebaut, finanziert und betrieben von einer einzigen Frau.

Warum, so fragt man sich, braucht man hier ein Theater, an diesem einsamen Platz, in die Felsen gehauen, zerzaust von den Stürmen des Winters, dem Wind und Regen ausgesetzt und weitab von den großen Städten?

Rowena Cade hatte ihren ersten Auftritt als Schauspielerin im Alter von acht Jahren vor einem Publikum von elf Personen. Es muss in ihr einen Funken entzündet haben, der später die englische Theaterlandschaft bereichern sollte.

Wie so viele ihres Alters wurde Rowenas bequemes Leben durch den Ersten Weltkrieg beendet. Sie ritt Pferde zu, die dann an die Frontlinien in Frankreich und Belgien verschifft wurden. Nach Ende des Krieges erbaute sie Minack House für sich und ihre Mutter - die Steine aus dem Steinbruch musste sie selbst herschaffen und bearbeiten. Der Garten wurde die erste Bühne für Freilichtaufführungen - auch die Unterhaltung musste in Cornwall zu dieser Zeit selbst gemacht werden.
It is a common good that the Englishmen (and women) are endangered to become infected with spleens (and this is a nice wordplay). The Minack Theatre is such a spleen - created, built, financed and operated by one single woman.

Why you may ask you would need a theatre here, at this isolated place, cut into the cliffs, ruffled by the winter storms, exposed to wind and rain and far from any cities? .

Rowena Cade had her first appearance as an actress aged 8 before an audience of 11 people. It must have ignited a spark in her that enriched English theatre later on.

As so many others of her age Rowena was drawn out of her comfortable life by the First World War. She went to work breaking horses that were to be shipped to the front lines in France and Belgium. When the war was over she build Minack house for her and her mother - she had to handle the stones from the quarry by herself. The garden became the first stage for open-air plays - in these times the entertainment in West Cornwall had to be self made also.

Rowena became wardrobe mistress and props designer. When they planned to stage Shakespeare's "The Tempest" they looked for a more impressive scenery.
 
Put the wild waters in this roar - allay them: The sky, it seems, would pour down stinking pitch, But that sea, mounting to th' welkin's cheek, Dashes the fire out...Shakespeare, The Tempest, 1.2 [2-6]
 
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Rowena wurde die Gardrobiere und Bühnenbauerin. Als die Truppe eine Aufführung von Shakespeares "Der Sturm" plante, suchte man nach einer spektakulären Bühne. Die Idee, die Bühne in die Steilküste einzulassen, wurde geboren. Es kostete drei Personen sechs Monate, die erste Bühne und die Sitzreihen zu errichten. Welche Arbeit für ein simples Amateurtheater.

Rowena hatte ihr Lebenswerk begonnen. Über die Jahre setzte sie ihr Werk fort, das Theater weiter aus- und wieder aufzubauen - dank der Winterstürme und der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Die Kosten für das Material überstiegen immer die mageren Einnahmen und Rowena gab ihr Familienvermögen für Zement und Steine aus. Sie stand niemals als Schauspielerin auf der Bühne ihres eigenen Theaters.
The idea was born to set the stage into the rocky coastline. It took three people six month to set the first stage and seating. Imagine this workload for a simple amateur playwright performance.

And Rowena had started what should become her passion for life. Over the years she continued to develop the theatre, building and rebuilding stage and seating due to weathering and destructions in World War Two. Materials cost were always more that the miserable earnings and Rowena spent her fortune for cement and bricks. She never appeared as an actress in her own theatre.